Boothroyd: Pure country

Vor vier Jahren erschien die Debüt-EP Idle Hours des britischen Produzenten Boothroyd. Aufgenommen mit einem

Vor vier Jahren erschien die Debüt-EP Idle Hours des britischen Produzenten Boothroyd. Aufgenommen mit einem Paar „cheap, shitty headphones“ und einem Augenzwinkern beschrieb er damals seine Musik als Mix zwischen Slowdive und Tinchy Stryder.

Auch sein Debütalbum spielt mit diesem Hauch Sarkasmus. Mit EDM-ähnlichen Gitarrenriffs, Mundharmonika und andere eigenartigen Instrumenten und Einflüssen aus der EDM-Welt, spaziert Boothroyd auf dem schmalen Grat der Ironie. Man könnte Pure Country aber auch als sehr ernstzunehmendes und die Gesellschaft widerspiegelndes Werk bezeichnen. Seine Klangkonstellationen spielen mit viel Melancholie, lenken von den Problemen der Gegenwart ab und vermitteln eine unklare, dennoch zauberhafte Utopie.

Anders als bei «Rinsed» fadet «Sunset Ibiza» kurz vor dem Drop aus, dem Mundharmonika-Soli in «Balearic Horse» wird kurzzeitig die Luft abgeschnitten und auch das absurde Crescendo in «Jeep» erlischt kurz vor der Ekstase. Boothroyd baut seine Kompositionen geschickt mit stilistischen und umfangreichen Elementen auf, entzieht ihnen dann aber den erlösenden Kick, so scheint sich Pure Country jederzeit den eigenen Grenzen bewusst zu sein und endet dadurch nicht in der Banalität.

Insgesamt ist Boothroyds Pure Country ein subtiles und spannendes Debütalbum, dass die Ästhetik von zeitgenössischer elektronischer Tanzmusik nicht nur kopiert, sondern damit spielt.

Boothroyds Pure Country erschien vor kurzem über das Label Fnord Communications und gibt’s auf Spotify zum Durchhören.