Openair St. Gallen mit One Sentence. Supervisor

Wir sprachen mitt One Sentence. Supervisor über die Kollaboration mit Baher Ghazi und vergangene Erinnerungen an ihre Auftritte in China.

Vergangenes Wochenende fand wieder das allseits bekannte Openair St. Gallen statt. Wie gewohnt herrschte eine herzlich-heitere Stimmung. Dies wurde mit sommerlichem Wetter und musikalischen Leckerbissen kombiniert. So waren zahlreiche grossartige Bands vor Ort. Es beehrten unter anderem Depeche Mode, Angus & Julia Stone, The Killers und Portugal. The Man den Sittertobel. Doch auch grandiose nationale Acts wie etwa Crimer, Long Tall Jefferson oder One Sentence. Supervisor.

Wir nutzten die Gelegenheit für ein Gespräch mit Donat Kaufmann, dem Sänger der Badener Band One Sentence. Supervisor. Denn schon unlängst wissen wir, dass es sich bei ihnen um eine der spannendsten Bands des Landes handelt. Ihre hymnisch psychedelischen Klänge begeistern aber nicht nur hierzulande: Sie fanden auch schon den Weg nach Ungarn oder gar China. Momentan sind sie mit dem syrischen Komponisten und Musiker Bahur Ghazi unterwegs. Dies führt zu einem äusserst spannenden und orientalisch angehauchten Sound.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem syrischen Musiker Bahur Ghazi?

Donat: Ich wollte letztes Jahr lernen, das Instruent Oud (arabische Laute) zu spielen. Dies erzählte ich einem Freund, welcher mir nahelegte, Bahur zu kontaktieren. Dieser sei der beste Oudspieler weit und breit. Dieser könne mir das Spielen beibringen. So besuchte ich ihn. Dort wurde dann wenig Uht gespielt, jedoch vor allem geredet. So hat es zwischen uns gefunkt. Etwas später habe ich ihn nach Baden eingeladen und wir spielten ein erstes gemeinsames Konzert. 

Wie sieht die weitere Zusammenarbeit mit Bahur Ghazi aus?

Donat: Er wird, bis auf zwei, auf allen Konzerten in diesem Sommer mit dabei sein. Im Winter geht es wieder ins Studio. Er wird dann voraussichtlich auch von der Partie sein. Man kann von einem kompletten Album ausgehen. 

Hast du selbst nun gelernt Oud zu spielen?

Donat: Haha, nein noch nicht, aber hab ich noch vor. Das Können von Bahur ist etwas einschüchternd. 

Eure Musik ist enorm treibend, kaum ein Fuss stand während des Konzertes still. Fandet ihr es nicht ein wenig schade, gleich nach dem Mittag spielen zu müssen, als später am Tag, wo bereits mehr getanzt wird?

Donat: Nein, ich mag diesen Slot sehr gerne! Früher fand ich es auch komisch früh zu spielen, dann aber habe ich gemerkt, dass es eigentlich extrem geil ist. Die Leute kommen bewusst an das Konzert. Wenn die Leute beim Konzert bleiben, bleiben sie für die Band. Und nicht nur, weil der Rhythmus stimmt und sie schon etwas zu viel getrunken haben. So ist es nach dem Mittag eine kleine Herausforderung die Leute mit der Musik zu packen. Auch achten die Leute viel bewusster auf die Musik, was ich extrem schön finde. 

Wie gesagt lädt eure Musik sehr zum Tanzen ein. Wie schafft es euer Bassist bei allen Konzerten still sitzend zu spielen?

Donat: Man kann ja auch im Sitzen tanzen! Man tanzt am besten, wenn man sich wohl fühlt und er fühlt sich sitzend am wohlsten. Und so tanzt er im Sitzen am besten. 

Euer Bekanntheitsgrad wurde durch dein 20 Minuten Titelblatt-Kauf einiges grösser. Bezeichnest du euch als politische Band?

Donat: Jein. Jede Person oder Handlung kann als politisch aufgefasst werden. So würde ich bei uns nicht unsere Texte sondern unsere Handlungen als politisch bezeichnen. Seien es Firmen, mit denen man zusammenarbeitet, Festivals, an welchen man spielt oder eben nicht spielt. Das Openair St Gallen ist für mich persönlich ein Grenzfall. Es ist schon sehr nahe am Mainstreamgedanken. Gleichzeitig hat es immer noch eine krasse Tradition. Auftritte für Banken oder ähnliche Institutionen würden aber nicht in Frage kommen. 

Donat: Das 20 Minuten Cover war aber eine Aktion von mir persönlich und hat nichts mit der Band zu tun. 

Wie kam es zu eurem Auftritt in China (2014)?

Donat: Durch einen glücklichen Zufall. An einem Konzert von uns in der Roten Fabrik, war ein Typ, welcher eine Bookingfirma hat. Diese organisiert Konzerte von Schweizer Bands in China und umgekehrt. Er fand unser Konzert gut und fragte uns an. So hatten wir eine ganze Tour in China. 

War die Stimmung an diesen Konzerten anders als hier in der Schweiz?

Donat: Ich glaube nicht. Jedenfalls nicht grosse, das Verhalten nach einem Song war höchstens etwas anders. Schlussendlich bestand ja das Publikum da auch einfach aus Menschen, welche an Musik interessiert sind. 

Werden die neuen Songs auch wieder umgehend veröffentlicht werden, wie bereits bei „Temporär Musik 1-14“?

Donat: Gute Frage! Ich denke eher nicht. Wir werden uns nun Zeit nehmen und im Winter neue Songs aufnehmen. Im März oder April wird im besten Fall ein neues Album  mit 10 oder 11 Songs herauskommen. Vielleicht aber auch erst im Herbst. 

Wird es dann auch wieder eine Tour geben?

Donat: Umbedingt! Ich finde dazu ein Zitat des Tame Impala Sängers sehr treffend. Er meinte die ersten und letzten 10 Minuten eines Songs seien die Schönsten. Dann, wenn man die Idee hat und dann, wenn man sie live spielt. Also so habe ich es interpretiert und bin dieser Meinung. 

Wer One Sentence. Supervisor feat. Bahur Ghazi noch live sehen möchte findet hier ihre Tourdaten.

Das Open Air St. Gallen bewies auch mit seiner 42. Ausgabe, dass es nach wie vor einen Besuch wert ist. Ein erster Headliner vom nächsten Jahr ist bereits bekannt: Die Ärzte.