Orange Peel Swiss Sounds 2018

Das Beste vom letzten Jahr und was uns 2019 erwarten wird.

Wir schauen zurück auf ein weiteres, spannendes Jahr alternative Schweizer (Pop)musik und präsentieren unsere Lieblingskünstler und -künstlerinnen, welche letztes Jahr oder spätestens dieses Jahr ihre Visionen und Melodien in ihrem eigenen musikalischen Kontext präsentier(t)en.

Black Sea Dahu

Eine der neuen Hoffnungen für die Schweizer Musiklandschaft, welche mit ihrem Album White Creatures bewiesen haben, dass sie das Potenzial für ganz grosse Bühnen haben, sind Black Sea Dahu. Die Band aus Zürich rund um die Songwriterin Janine Cathrein spielt tiefgründigen Indie-Folk, der als Soundtrack für lange Reisen im In- und Ausland wie gemacht ist. Ob das auch eine Tour-Prophezeiung für dieses Jahr ist? Wir werdens sehen.

Black Sea Dahus (ursprünglich als JOSH unterwegs) 2. Album White Creatures erschien am 12. Oktober über Mouthwatering Records und gibt’s in unterschiedlichen Formaten auf ihrem Bandcamp Profil.

Mnevis

Bereits seit 10 Jahren gibt es die Aargauer Band Mnevis, doch in den letzten Jahren war es komplett ruhig um sie. Mit einer neuen Single, welche vergangenes Jahr erschien, wagten sich die vier Sandkastenfreunde wieder in Popgefilde. Die Freundschaft blieb, der Sound formt sich gerade neu. In «The Kids in Town», der ersten Vorabsingle zu ihrem am 19. Januar folgenden Album Episodes, überzeugen sie bereits mit lässigen Gitarrenriffs und Geschichten über die guten jungen Jahre.

Mnevis Episodes erscheint am 18. Januar über das Label Red Brick Chapel.

Milena Patagônia

«Ich liebe lieber digital, wöui so besser cha verschwinde» singt Milena Patagônia in Mundart über verträumte Synthesizer und Urwaldgeräusche, welche von ihrem „Effektgrätli“ stammen. Die Thunerin geht bestimmt mit Worten um, die sonst in der Schweizer Musikszene vor allem von Männern thematisiert werden. Die R&B-Einflüsse und die anziehende Art wie Milena Patagônia mit den besungenen Themen umgeht, bieten ein intimes und authentisches Gegengewicht zu der digitalen Welt, in welcher wir uns zu verlieben und verlieren suchen.

Milena Patagônia «Liebe Lieber Digital» gibt’s via iGroove als Download.

Nativ

Die eine Hälfte des im Moment einflussreichsten Schweizer Hip Hop Acts S.O.S. veröffentlichte letztes Jahr sein Soloalbum Baobab. Grossartige und manchmal aberwitzige Rap-Lines reihen sich hier aneinander, doch Nativ kann auch tief. Sozialkritische Texte über den alltäglichen Rassismus in der Schweiz, Drogenmissbrauch von hoffnungslosen jungen Menschen und das Scheinbild einer schönen heilen Welt in Europa werden manchmal besungen, manchmal berappt. Ein Prophet für viele Secondos und ein Rapkünstler, dem man Grosses prophezeit.

Nativs Baobab erschien über S.O.S Worldwide Network und gibts nicht auf Spotify. Junge Menschen kaufen also doch auch noch im 2018 Musik auf CDs (oder via iGroove).

Dachs

Das St. Galler Duo schrieb 2018 den wohl schönsten Lovesong. Und anstatt einfach platt über die neue Liebe zu singen, verpacken sie das Thema in eine Geschichte rund um den allgegenwärtigsten Begleiter in den frühen Morgenstunden auf dem einsamen Bahngleis: den Selecta Automat. Bleibt nur noch die Frage: Reichte es am Schluss für die gemeinsame Cola?

Dachs hörenswertes Debütalbum Immer Schö Lächla erschien am 16.2. über Siedl Records.

Cobee

COBEE trieb sich in den letzten Jahren mit der Berner Rap-Formation S.O.S. bereits in illustren Kreisen. Der junge Berner kann aber auch solo viel. Bestes Beispiel dafür ist die von Auto-Tune und poppigen Bassklängen gefärbte Single «Trink Mit Mir», welche im vergangenen Jahr erschien. Mit dieser und dem darauf folgenden Album Chaos macht er nun nicht nur Mumble-Rap Lokalmatador Pronto Konkurrenz, sondern beweist, dass da im Schweizer Rapkuchen gerade ein ganz grosses und vielfältiges Talent heranwächst.

Cobees Debütalbum Chaos erschien über das Label S.O.S. Worldwide Network.

Sirens Of Lesbos

Sirens Of Lesbos machten vor ein paar Jahren mal EDM-Musik, die zu ausufernden Partys auf Jachten und zu nie enden wollenden Sonnenuntergängen vor den kleinen Inseln Griechenlands passte. Nach einem Hiatus formte sich die Band dann neu und wandelte sich auch musikalisch. Das Händchen für tanzbare Melodien mit balearischem Touch blieb, Einflüsse aus der Dub-Reggae Szene, eritreischem und weiteren globalen Pop-Gefilden kamen hinzu. Doch vor allem die gefühlsvollen Gesangsharmonien haben es uns in Tracks wie «We’ll be Fine» oder «Shotgun» angetan. Wir warten auf mehr, bis dahin tanzen wir weiter der rot am Horizont stehenden Sonne entgegen.

Sirens of Lesbos veröffentlichten letztes Jahr zwei Singles: «We’ll be Fine», sowie «Shotgun».

Aïsha Devi

Aïsha Devi veröffentlichte vergangenes Jahr mit DNA Feelings eines jener Alben, welches Ausdauer benötigt. Wenn man sich aber erst mal darauf einlässt, wird man üppig belohnt. Der Schweiz-Tibetianischen Künstlerin geht es aber weder um Pop-, noch um Konzeptmusik – im Gegenteil: Aïsha Devi versucht mit einer Vielschicht an elektronischen und organischen Elementen Grenzen auszuloten. Hochgepitche Vocals und verzerrte und aufeinander geschichtete Samples werden immer wieder auf einen Bruchteil ihres Ursprungs reduziert. Die Leere ist dabei gleich wichtig, wie die aufeinander prallenden Vibrationen. Daraus entstehen neue, alternative Klanglandschaften, die darüber spekulieren, wie und was unser Körper fühlt und wie wir langsam mit der digitalen Welt verschmelzen.

Aisha Devis DNA Feelings erschien über das Label Houndstooth und gibt’s auf Bandcamp zum erwerben.

Baze

Nach dem Jazz-infizierten Vorgänger Bruchstück erschien im vergangenen Jahr ein weiteres hörenswertes Album des Rapurgesteins Baze. Der Jazz scheint wie weggeblasen, auch sonstige Trenderscheinungen misst man – zum Glück – denn Baze, macht was er am besten kann: Geschichten erzählen über Gott sich selbst und die Welt, einsame Nächte, stöhnende Nachbarn und das an einem vorbei rasende Leben. Die Textpassagen, die man jetzt zitieren könnte, würden die Kapazität dieses Beitrags sprengen, anhören sollte man sich die manchmal kryptischen Songzeilen auf der Platte Gott aber sowieso, bereuen wird man es nicht.

Baze Gott erschien über Eret und gibt’s auf iGroove als Download.

Long Tall Jefferson

Ein Mann und seine Gitarre: Long Tall Jefferson bewies bereits mit seinem Debütalbum I Want My Honey Back ein Händchen für energiegeladenes Fingerpicking und schönes Songwriting. Sein Nachfolger Lucky Guy, welcher letztes Jahr erschien, knüpft da an und geht noch einen Schritt weiter Richtung Pop. Songs wie «Yonder is a Mountain» oder «Stay A Little Longer» sind grossartige Folk-Pop Songs, die auf dem Boden bleiben und dennoch mit viel Emotionen überraschen.

Long Tall Jeffersons neues Album Lucky Guy erschien über das Label Red Brick Chapel.

Lord Kesseli & The Drums

Das Priesterduo der psychedelischen Rockmusik beschwört mit seiner neusten Platte die düstere Klubmusik herauf. Den Weihrauch, welchen Lord Kesseli & The Drums bei ihren Liveauftritten versprühen, riecht man beim Durchhören ihres neuen Albums Melodies of Immortality zwar nicht, dennoch wird man regelrecht von der Wucht an schleppender Perkussion, elektronischen Klangteppichen und tranceartigen Chören benebelt.

Lord Kesseli & The Drums Melodies of Immortality erschien über Irascible Records sowie Bookmaker Records und gibt’s auf deren Bandcamp Profil.

Laskaar

Spanische, respektive lateinamerikanische Popmusik dominierte letztes Jahr die Charts. Das so genante Genre Urbano, welches einen Mix aus Reggaetón, Dembow, Trap, Champeta und anderen Latin-Genres darstellt, wird wohl auch 2019 noch dominieren. Auch der Schweizer Produzent Laskaar hat Wurzeln in Spanien und vermischt in seinen Songs globale Untergrundmusik zu einem elektrisierenden Mix, der bereits international Wellen geschlagen hat. In der im letzten Jahr erschienen Single «Drunk» verschmilzt beispielsweise brasilianischen Baile Funk mit sinnlichem R&B Gesang und in der kürzlich erschienen Single «Traición» überzeugt Laskaar zum ersten und hoffentlich nicht letzten Mal mit spanischen Texten, während im Hintergrund elektronische Klubbeats spätabendliche Sommergefühle versprühen.

Laskaars «Drunk» und «Traición» erschienen beide über Mouthwaterin Records.

Naomi Lareine

Schweizer R&B hat noch nie so international geklungen wie bei Naomi Lareine. Die Single «Issa Vibe» harmoniert mit tanzbaren, elektronischen Beats und der gereiften, samtigen Stimme der Newcomerin. Da passt alles, der Vibe schwingt und die Texte hören sich weder zu abgehoben, noch zu platt an. Die Debüt EP soll im Frühling folgen, die Gänsehaut ist bereits da.

Naomi Lareines «Issa Vibe» gibt via iGroove als Download.

Jessiquoi

Jessiquoi scheint von einem anderen Planeten im Bern der Zukunft gelandet zu sein. Die Elektro-Pop Künstlerin springt mit schrillen Outfits, viel Make-Up und extravaganten Auftreten direkt ins Auge des Betrachters. Musikalisch wird man von Jessiquoi mit globalem Pop zugeballert und mit auf eine Reise in die Zukunft genommen. Ihr Debütalbum folgt im neuen Jahr, die Debütsingle «The Addict» hat uns aber bereits fest im Griff.

Jessiquoi «The Addict» gibt’s auf Bandcamp als Download.

Frederik

Das neue Soloprojekt von Rolf Laurejis heisst Frederik und gewährt einen Einblick in seine quirligen Klangwelten. Auf dem im letzten Jahr erschienenen Mini-Album Tears (you know) finden sich im Loop drehenden Wortkapriolen über plätschernde Drumcomputer und lebhafte Synthesizer. Mit diesen Schwingungen entfacht Frederik mehrere kleine emotionale Feuerwerke, die irgendwo im Wave-Pop verankert sind.

Frederiks Tears (you know) erschien über Oh, Sister Records und gibt’s auf Bandcamp im Digitalen- sowie limitierten Kasettenformat.

Alle erwähnten Songs, sowie ein paar weitere, gibts auch als Spotify-Playlist zum Streamen. So lässt sich das vergangene Musikjahre ganz einfach nochmal Revue passieren.

Veröffentlicht am 2. Jan 2019