Amilli im Interview: «Was, du kannst singen?»

Nach ihrem Konzert am Radar Festival trafen wir die talentierte Sängerin aus Bochum zum Interview.

Die zweite Ausgabe des Radar Festival lockte vor kurzem zahlreiche Musikbegeisterte in die Zürcher Langstrasse. So auch uns, denn es gab viele spannende aufstrebende KünstlerInnen zu entdecken. Unter ihnen auch Amilli. Die junge Sängerin spielte ihr erstes Konzert in der Schweiz. Eine Unbekannte ist die Deutsche deswegen aber auch hier nicht, denn mit ihrer Single «Rarri» hat sie bereits einen vielversprechenden Hit gelandet.

Wir nutzten die Gelegenheit und trafen Amilli nach dem Konzert zum Interview. Wir sprachen über ihre Sing- und Sprechstimme, unterschiedliche Inspirationsquellen für ihre Musik und wie es sich anfühlte, über Nacht zum aufstrebendsten Act Deutschlands gewählt zu werden.

Severin: Zuerst Gratulation zu deiner 1Live Krone. Wie war das, quasi von Null auf Hundert, über Nacht so berühmt zu werden?

Amilli: Ich habe mich schon bisschen erholt. Aber es ist natürlich immer noch total krass & surreal irgendwie… Aber ich habe mich auf jeden Fall erholt.

Du hast bei der Förderpreisübergabe ziemlich gefasst gewirkt. Wusstest du bereits im voraus, dass du gewinnen wirst?

Naja, so halb. Ein Bekannter arbeitet da als Techniker und der hat mir in der Nacht vor der Preisübergabe bereits geschrieben. Ich dachte, dass kann ja gar nicht sein, wie soll ich eine Krone bekommen, ich bin ja gar nicht nominiert, ich war ja bloss eingeladen! Ich habe es dann ausgeblendet, weil ich dachte, dass es ja eh nicht sein kann…

Aber dann ist es halt tatsächlich passiert und innerlich war ich überhaupt nicht cool – ehrlich gesagt. Aber irgendwie kann ich meine Nervosität anscheinend ganz gut überspielen. [Amilli lacht] 

Hat sich seither viel für dich verändert?

Ja auf jeden Fall! Nur schon das mein Song seither jeden Tag live im Radio auf 1Live gespielt wird. Das ist schon ein grosses Privileg. Auch ganz viele Festivals sind auf mich aufmerksam geworden und haben mich eingeladen und da freue ich mich sehr drauf. 

Magst du deine eigenen Songs überhaupt noch hören?

Das ist so ne Sache. Es kommt ein bisschen darauf an, in welcher Stimmung ich gerade bin. Wenn ich viel am proben bin, mag ich’s nicht wirklich.

Ich habe mal gelesen dass du alle Songs selber schreibst. Ist das immer noch der Fall?

Ich habe halt einfach aus Spass angefangen Musik zu machen und das ist gar noch nicht so lange her. Bisher hat der Leo, mein Produzent, einen Beat zusammen gebastelt und ich habe dafür was geschrieben. Dann haben wir noch gemeinsam daran herumgetüftelt. Doch bei der nächsten Produktion wollen wir etwas anders probieren; experimenteller und ich möchte auch noch am Klavier spielen.

Von wo nimmst du eigentlich deine musikalische Inspiration?

Na ja es ist unterschiedlich. Ich habe seit meiner Kindheit sehr viel Jazz gehört. Dann hör ich sehr viel R&B, Soul und so. Sachen wie Anderson Paak oder Tom Misch. Ich höre momentan aber auch ganz viel Old-School Hip Hop und dadurch entsteht irgendwie mein Musikgeschmack.

Amilli, ich war total überrascht, als ich dich nun, nach dem Konzert, das erste Mal sprechen hörte… (Anm. d. Red.: Amillis normale Stimme klingt ganz anders, als sie singt)

Gell, das sagen total viele! Meine Sprechstimme ist halt super hoch…

Was sind bis anhin deine schönsten Konzerterinnerungen?

Nun heute war es sehr schön. Ich habe viele lächelnde Gesichter gesehen. Und das ist halt nicht immer so. Mein schönstes Konzert war glaube ich tatsächlich mein Erstes, weil das haben wir selbst in einem Hinterhof organisiert, das war halt ganz speziell, weil alle meine Freunde und meine Familie da waren. Die haben mich eigentlich alle noch nie richtig singen gehört. Das war schon sehr besonders.

Wie meinst du: „Die haben mich halt noch nie richtig singen gehört?“ Hast du alles hinter verschlossenen Türen gemacht?

Ja tatsächlich! [Amilli grinst] Ich habe einfach schon immer gern für mich gesungen, aber nicht mehr. Ich machte es halt einfach immer aus Freude und ich dachte nie, dass ich Sängerin oder so werden möchte. Es gab erst einen Wandel, als meine beste Freundin meinte, dass ich wirklich gut singen könne. Sie motivierte mich dann, etwas aufzunehmen. Mit zwei Freunden haben wir dann in einem Keller ein Studio gebastelt. Danach habe ich den Song auf Soundcloud geladen. Und dann ging das halt richtig ab und alle meine Freunde waren verwirrt: „Hä, du kannst singen?!“

Wie kamst du auf den Text von «Rarri»? Dieser ist ja quasi das Gegenteil zum gehypten Influencer Leben.

Ja, ich habe halt mal die Musik gehört, welche die meisten heute so hören. Halt diese klassischen Trap Genres, mit all diesem Materialismus und all dem Money. Ich war davon super genervt und so entstand der Text.

Und was ist nun ein Plan, wann kommt neue Musik von dir und folgen weitere Konzerte in der Schweiz?

Ja, auf diese Frage hab ich fast gewartet. Nun momentan sind bloss Konzerte in Deutschland geplant und im Spätsommer / Herbst kannst du womöglich neue Musik erwarten und da freu ich mich sehr drauf.