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Veröffentlicht am 03.07.2018 von Severin Kaufmann in Interview, Konzert, Swiss Sounds

Vergangenes Wochenende fand wieder das allseits bekannte Openair St. Gallen statt. Wie gewohnt herrschte eine herzlich-heitere Stimmung. Dies wurde mit sommerlichem Wetter und musikalischen Leckerbissen kombiniert. So waren zahlreiche grossartige Bands vor Ort. Es beehrten unter anderem Depeche Mode, Angus & Julia Stone, The Killers und Portugal. The Man den Sittertobel. Doch auch grandiose nationale Acts wie etwa Crimer, Long Tall Jefferson oder One Sentence. Supervisor.

Wir nutzten die Gelegenheit für ein Gespräch mit Donat Kaufmann, dem Sänger der Badener Band One Sentence. Supervisor. Denn schon unlängst wissen wir, dass es sich bei ihnen um eine der spannendsten Bands des Landes handelt. Ihre hymnisch psychedelischen Klänge begeistern aber nicht nur hierzulande: Sie fanden auch schon den Weg nach Ungarn oder gar China. Momentan sind sie mit dem syrischen Komponisten und Musiker Bahur Ghazi unterwegs. Dies führt zu einem äusserst spannenden und orientalisch angehauchten Sound.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem syrischen Musiker Bahur Ghazi?

Donat: Ich wollte letztes Jahr lernen, das Instruent Oud (arabische Laute) zu spielen. Dies erzählte ich einem Freund, welcher mir nahelegte, Bahur zu kontaktieren. Dieser sei der beste Oudspieler weit und breit. Dieser könne mir das Spielen beibringen. So besuchte ich ihn. Dort wurde dann wenig Uht gespielt, jedoch vor allem geredet. So hat es zwischen uns gefunkt. Etwas später habe ich ihn nach Baden eingeladen und wir spielten ein erstes gemeinsames Konzert. 

Wie sieht die weitere Zusammenarbeit mit Bahur Ghazi aus?

Donat: Er wird, bis auf zwei, auf allen Konzerten in diesem Sommer mit dabei sein. Im Winter geht es wieder ins Studio. Er wird dann voraussichtlich auch von der Partie sein. Man kann von einem kompletten Album ausgehen. 

Hast du selbst nun gelernt Oud zu spielen?

Donat: Haha, nein noch nicht, aber hab ich noch vor. Das Können von Bahur ist etwas einschüchternd. 

Eure Musik ist enorm treibend, kaum ein Fuss stand während des Konzertes still. Fandet ihr es nicht ein wenig schade, gleich nach dem Mittag spielen zu müssen, als später am Tag, wo bereits mehr getanzt wird?

Donat: Nein, ich mag diesen Slot sehr gerne! Früher fand ich es auch komisch früh zu spielen, dann aber habe ich gemerkt, dass es eigentlich extrem geil ist. Die Leute kommen bewusst an das Konzert. Wenn die Leute beim Konzert bleiben, bleiben sie für die Band. Und nicht nur, weil der Rhythmus stimmt und sie schon etwas zu viel getrunken haben. So ist es nach dem Mittag eine kleine Herausforderung die Leute mit der Musik zu packen. Auch achten die Leute viel bewusster auf die Musik, was ich extrem schön finde. 

Wie gesagt lädt eure Musik sehr zum Tanzen ein. Wie schafft es euer Bassist bei allen Konzerten still sitzend zu spielen?

Donat: Man kann ja auch im Sitzen tanzen! Man tanzt am besten, wenn man sich wohl fühlt und er fühlt sich sitzend am wohlsten. Und so tanzt er im Sitzen am besten. 

Euer Bekanntheitsgrad wurde durch dein 20 Minuten Titelblatt-Kauf einiges grösser. Bezeichnest du euch als politische Band?

Donat: Jein. Jede Person oder Handlung kann als politisch aufgefasst werden. So würde ich bei uns nicht unsere Texte sondern unsere Handlungen als politisch bezeichnen. Seien es Firmen, mit denen man zusammenarbeitet, Festivals, an welchen man spielt oder eben nicht spielt. Das Openair St Gallen ist für mich persönlich ein Grenzfall. Es ist schon sehr nahe am Mainstreamgedanken. Gleichzeitig hat es immer noch eine krasse Tradition. Auftritte für Banken oder ähnliche Institutionen würden aber nicht in Frage kommen. 

Donat: Das 20 Minuten Cover war aber eine Aktion von mir persönlich und hat nichts mit der Band zu tun. 

Wie kam es zu eurem Auftritt in China (2014)?

Donat: Durch einen glücklichen Zufall. An einem Konzert von uns in der Roten Fabrik, war ein Typ, welcher eine Bookingfirma hat. Diese organisiert Konzerte von Schweizer Bands in China und umgekehrt. Er fand unser Konzert gut und fragte uns an. So hatten wir eine ganze Tour in China. 

War die Stimmung an diesen Konzerten anders als hier in der Schweiz?

Donat: Ich glaube nicht. Jedenfalls nicht grosse, das Verhalten nach einem Song war höchstens etwas anders. Schlussendlich bestand ja das Publikum da auch einfach aus Menschen, welche an Musik interessiert sind. 

Werden die neuen Songs auch wieder umgehend veröffentlicht werden, wie bereits bei „Temporär Musik 1-14“?

Donat: Gute Frage! Ich denke eher nicht. Wir werden uns nun Zeit nehmen und im Winter neue Songs aufnehmen. Im März oder April wird im besten Fall ein neues Album  mit 10 oder 11 Songs herauskommen. Vielleicht aber auch erst im Herbst. 

Wird es dann auch wieder eine Tour geben?

Donat: Umbedingt! Ich finde dazu ein Zitat des Tame Impala Sängers sehr treffend. Er meinte die ersten und letzten 10 Minuten eines Songs seien die Schönsten. Dann, wenn man die Idee hat und dann, wenn man sie live spielt. Also so habe ich es interpretiert und bin dieser Meinung. 

Wer One Sentence. Supervisor feat. Bahur Ghazi noch live sehen möchte findet hier ihre Tourdaten.

Das Open Air St. Gallen bewies auch mit seiner 42. Ausgabe, dass es nach wie vor einen Besuch wert ist. Ein erster Headliner vom nächsten Jahr ist bereits bekannt: Die Ärzte.

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Veröffentlicht am 29. Oktober 2015 von Beni Geisseler in Interview

Es gibt Bands, die muss man einfach live gesehen haben, um zu wissen, mit was für Musik man sich genau anlegt. Die in London beheimateten Psych-Rocker von Bo Ningen sind eine solche Band. Ihre Musik wagt sich von psychedelischem Prog-Rock über energiegeladene Heavy-Metal Wände bis hin zu obskuren, japanischen Klängen.

Die Wände wackeln, die Augen werden durchgehend von Scheinwerfer geblendet und eine wuchtige Soundmauer baut sich vor einem auf. Und auch wenn die Musik von Bo Ningen nicht Jedermanns Sache ist, so bleiben bei Liveauftritten der vier gebürtigen Japanern die Mundwinkel bei kaum einem Zuschauer zu. Konzertbesucher der diesjährigen Bad Bonn Kilbi können dies bestätigen.

In einer kleinen Bucht am Schiffenensee, in einem ganz anderen Ambiente, als man ihre Musik sonst zu kategorisieren pflegt, trafen wir Bo Ningen vor ihrem Auftritt auf der Hauptbühne und sprachen mit ihnen über das Leben in London, den Einfluss der japanischen Untergrundszene und ihre Kollaboration mit den Post-Punkerinnen von Savages.

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Veröffentlicht am 27. März 2015 von Kilian Mutter in Interview

In seinen besten Momenten hört sich Deeper an wie eine Reise ins Innere des Körpers. Hämmernde Beats treffen auf heulende Synthies und schaffen eine beklemmende Atmosphäre. Wo man früher nur Wortfetzen wahrnehmen konnte, gibt es heute nahezu klare Vocals. Deeper ist Luis Vasquez alias The Soft Moons bisher persönlichstes Werk. Ein Album das die Düsternis frönt, ohne dabei auch nur eine Sekunde lang an Glaubwürdigkeit einzubüssen. Alexandra Baumgartner hat mit Luis via Skype ausführlich darüber gesprochen.

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Veröffentlicht am 17. Juni 2014 von Jonathan Winkler in Interview

Paws, Yuck, Male Bonding, Japandroids. Dem gemeinen Indiehörer dürfte nicht entgangen sein, dass in den letzten Jahren die 90er Jahre wieder ziemlich angesagt waren und sich zahlreiche Bands von den schroff-melodischen Gitarrenklängen der frühen 90er inspirieren liessen. Parallel dazu sind viele Bands aus den 90ern wieder aktiv geworden, wie Dinosaur Jr, Pixies, Pavement, Sebadoh. Oder eben Superchunk, die Band rund um die Merge-Records-Gründer Mac McCaughan und Laura Ballance, die im Jahr 2010 eine fast 10-jährige Auszeit beendet und seither mit Majesty Shredding und I Hate Music zwei ihrer besten Alben veröffentlicht hat.

Die Geschichte von Superchunk ergäbe eigentlich ein prima Drehbuch für eine alternative US-College-Romanze. Alles beginnt Ende der 80er in Chapel Hill, North Carolina, im musikalischen Niemandsland also. Die Protagonisten: der allseits beliebte und quirlige Punkrock- und New Wave-Fan Mac. Das coole aber schüchterne Goth-Mädchen Laura, das vom ihm angequatscht wird, weil er sie in seiner Band haben will (dass sie noch nie Bass gespielt hat, who cares?). Der Bücherwurm Jim Wilbur an der zweiten Gitarren. Und zuletzt der etwas schräge Schlagzeuger Chuck Garrison, dessen Name im Telefonbuch fälschlicherweise mit Chunk angegeben ist und der damit den Bandnamen liefert (das Super hängt man später vorne ran, um nicht mit einer gleichnamigen Jazzband verwechselt zu werden).

Goth-Mädchen und Sänger verlieben sich, gründen zusammen das Label Merge Records (inspiriert von Labels wie Dischord Records aus Washington will man 7inches der eigenen Band und von Freunden veröffentlichen). Man wechselt den schrägen Drummer gegen einen lustigeren und kraftvolleren aus (Jon Wurster, der heute auch als Komiker unterwegs ist), geht auf Tour, spielt energetische und saumässig laute Gigs und macht mit Songs, die sich irgendwo zwischen The Replacements, Hüsker Dü und dem Power-Pop von The Mice bewegen, das Label Matador im fernen New York auf sich aufmerksam. Der Song «Slack Motherfucker» wird zum kleinen Indie-Hit, die ersten zwei Alben geben zusätzlich Schub.

Angebote von Majorlabels werden ausgeschlagen, stattdessen veröffentlichen Superchunk seit On The Mouth (1993) auch ihre LPs auf dem eigenen Label. Der Karren läuft wie geschmiert. Bis ins Jahr 1994, als sich Mac und Laura trennen. Doch statt Band und Label an den Nagel zu hängen, reissen sie sich zusammen und nehmen mit Foolish eine Platte auf, die eine Art Wendepunkt darstellt. Das Tempo wird gedrosselt, die Gitarren verspielter, der Gesang melancholischer. Superchunk haben ihre ureigene Nische gefunden, bewegen sich stilsicher zwischen Indie-Rock, Power-Pop, Post-Hardcore und College-Punk. «Hyper Enough» vom nächsten Album Here’s Where The Strings Come In (1995) wird zu einem mittelgrossen MTV-Hit und krönt die mittlere Schaffensphase von Superchunk.

Ab Indoor Living (1997) wird die Band experimenteller und erweitert die Instrumentierung um Synthies . Auf dem von Jim O’Rourke produzierten Album Come Pick Me Up (1999) kommen Bläser dazu und Mac entdeckt die Kopfstimme. Here’s To Shutting Up, das bezeichnend betitelte Album von 2001 das die 9-jährige Pause einleitet, flirtet schliesslich mit Alt-Country und ist das wohl «reifste» Werk im Superchunk’schen Schaffen.

2014 sind Superchunk wieder in Europa unterwegs und legen am Eröffnungsabend der Bad Bonn Kilbi einen beeindruckend energetischen Auftritt hin, der «chlöpft und tätscht». Zwei Stunden vorher haben wir die Gelegenheit ergriffen, ein paar Worte mit Sänger Mac McCaughan zu wechseln.

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