Veröffentlicht am 13.05.2018 von Yemi Omodunbi in Neue Musik

Rund zwei Jahre ist es her, dass Long Tall Jefferson (einst Gitarrist bei Pablo Nouvelle) sein erstes Album I Want My Honey Back veröffentlichte und sofort auf sich aufmerksam machte. Ein äusserst talentierter Schweizer Solokünstler bahnte sich zu Recht seinen Weg in die Öffentlichkeit und machte deutlich, dass guter Folk mit solidem Gitarrenhandwerk noch lange nicht der Vergangenheit angehört. Besonders der Song «Old Friend» mag vielen bereits zu Ohren gekommen sein – und zeigt, was LTJ ausmacht: Zarte, durchdachte Melodien und Texte, die einem einfahren.

Auch in echt macht der Luzerner Eindruck. Denn spätestens wenn man LTJ live gesehen hat, kommt man vom Schwärmen nicht mehr weg. Er hat alles, was es für gute (Live-)Musik braucht: Eine tolle Präsenz, ein astreines Fingerpicking, eine warme wie kräftige Stimme und nicht zuletzt die Prise Emotionen und Konzentration, die das Erlebnis abrunden und zu einem machen, das man nicht so schnell vergisst.

Und für alle, die sein erstes Album bereits rauf und runter gehört haben, nun die gute Nachricht: Der erste Song seines zweiten Albums ist seit Kurzem draussen und verspricht, dass auch das zweite keine Enttäuschung wird – nein, da bahnt sich etwas wirklich Gutes an. «Yonder is a Mountain» nämlich sprüht vor Energie. Nebst der Gitarre und der Stimme, die typischerweise und mit gutem Grund im Vordergrund stehen, wird der Song mit Backing Vocals und subtilen Percussion-Elementen ausgeschmückt. Und für jene, die noch nicht Fan sind, bleibt das zumindest ein guter Moment, um auf den Zug aufzuspringen.

Das nächste Mal live zu sehen ist Long Tall Jefferson übrigens im Juni am B-Sides Festival in Luzern – und zwar erstmals mit Band!

Sein zweites Album Lucky Guy erscheint am 7. September 2018 bei Red Brick Chapel, seinem selber gegründeten Label.

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Veröffentlicht am 8. Mai 2018 von Simon Gwinner in Neue Musik

Lange wartete man auf neues Material der Süd-Londonerin Tirzah. Ihre genreübergreifenden Kompositionen spannen von Leftfield, über gemächlichen Pop bis hin zu R&B. Mit I’m Not Dancing sowie der darauf folgenden EP No Romance veröffentlichte sie auch bereits zwei EPs, die uns zu verzaubern wussten. Mit einer neuen Single kündigt sie nun ihr langersehntes Debütalbum Devotion an.

Auch dieses entstand in Kollaboration mit ihrer Schulfreundin Mica Levi aka Micachu. «Gladly» ist ein gefühlsvoller Liebessong und gleichzeitig Vorgeschmack auf ein noch folgendes, sehr persönliches R&B Album von Tirzah. Ihr verträumter Gesang schwebt über den zurückhaltenden Klaviernoten und verbirgt Songzeilen wie: „I don’t want, To sound so serious, But you are taking me away from all this, hey, All it takes, all it takes, Is your arms, your smile, I like you“

Tirzahs Debütalbum Devotion erscheint am 10. August über Domino Records.

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Veröffentlicht am 7. Mai 2018 von Severin Kaufmann in Review

Das Cover von Geowulfs Debütalbum zeigt auf eindeutliche Weise, was den Hörer erwartet. Mit sanften Klängen und eingängigen Melodien zaubert das australische Duo die Sonne herbei. Der mit Synthesizer bemalte Pop wirkt gekonnt lässig und so erzeugt Great Big Blue auf Albumlänge pure Sommervibes.

Dies zeigt sich besonders bei Songs wie «Get You» oder «Saltwater». Andere Songs wie «Drink Too Much» wirken wie ein Tagtraum und laden ein, in Erinnerungen zu schwelgen.

„Cause I get myself in trouble when I drink too much, think too much.“

Einerseits bietet das Album eine gewisse Abwechslung, die sich beispielsweise beim gelungenen Synthie-Einsatz in «Won’t You Back» zeigt und damit mit dem vom New Wave beeinflussten Song die allgemeine Einheitlichkeit von Great Big Blue fein durchbricht.

Obwohl das Album also mit einfach gehaltenen Melodien und warmen Klängen brilliert, mag es einigen Hörern wohl ein wenig an Ecken und Kanten fehlen. Als Untermalung für laue Abende funktioniert es dafür umso besser.

Great Big Blue erschien im Februar 2018 bei 37 Adventures.

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Veröffentlicht am 3. Mai 2018 von Simon Gwinner in Review

Vor vier Jahren erschien die Debüt-EP Idle Hours des britischen Produzenten Boothroyd. Aufgenommen mit einem Paar „cheap, shitty headphones“ und einem Augenzwinkern beschrieb er damals seine Musik als Mix zwischen Slowdive und Tinchy Stryder.

Auch sein Debütalbum spielt mit diesem Hauch Sarkasmus. Mit EDM-ähnlichen Gitarrenriffs, Mundharmonika und andere eigenartigen Instrumenten und Einflüssen aus der EDM-Welt, spaziert Boothroyd auf dem schmalen Grat der Ironie. Man könnte Pure Country aber auch als sehr ernstzunehmendes und die Gesellschaft widerspiegelndes Werk bezeichnen. Seine Klangkonstellationen spielen mit viel Melancholie, lenken von den Problemen der Gegenwart ab und vermitteln eine unklare, dennoch zauberhafte Utopie.

Anders als bei «Rinsed» fadet «Sunset Ibiza» kurz vor dem Drop aus, dem Mundharmonika-Soli in «Balearic Horse» wird kurzzeitig die Luft abgeschnitten und auch das absurde Crescendo in «Jeep» erlischt kurz vor der Ekstase. Boothroyd baut seine Kompositionen geschickt mit stilistischen und umfangreichen Elementen auf, entzieht ihnen dann aber den erlösenden Kick, so scheint sich Pure Country jederzeit den eigenen Grenzen bewusst zu sein und endet dadurch nicht in der Banalität.

Insgesamt ist Boothroyds Pure Country ein subtiles und spannendes Debütalbum, dass die Ästhetik von zeitgenössischer elektronischer Tanzmusik nicht nur kopiert, sondern damit spielt.

Boothroyds Pure Country erschien vor kurzem über das Label Fnord Communications und gibt’s auf Spotify zum Durchhören.

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Veröffentlicht am von Kilian Mutter in Mixtape, Playlists

Unser saisonales Frühlingsmixtape bietet dir dieses Jahr ganze 21 Songs, die dir die wärmer werdenden Tage und Nächte versüssen sollen. Mal folkig, mal rockig, mal poppig, oder gar mal elektronisch, hier kommt jeder auf seine Kosten. Das Mixtape ist als ZipFile downloadbar und auf Spotify anzuhören. Das wunderbare Artwork stammt dieses Mal von Cynthia Zwiker.

1. Hookworms Each Time We Pass
2. Young Fathers In My View
3. MorMor Heaven’s Only Wishful
4. Dungen & Woods Turn Around
5. Amen Dunes Blue Rose

6. DACHS Selecta Automat
7. Hibou Junipero Love
8. Cobee Trink Mit Mir
9. Thunder Jackson Colours
10. Hop Along How Simple

11. Altin Gün Halkalı Şeker
12. Kevin Krauter Rollerskate
13. Malena Zavala Could You Stay
14. Shannon & The Clams The Boy
15. Rolling Blackouts Coastal Fever Talking Straight

16. FONTAINES D.C. Boys In The Better Land
17. ALASKALASKA Meateater
18. Cella Sloth
19. Octavian Hands
20. Solomon Grey The Game
21. Henry Green Another Light

Download: Orange Peel Spring Mixtape 2018

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Veröffentlicht am 30. April 2018 von Sabrina Stallone in Konzert

Tipps für eine Woche voller besserer Musik. Diese Woche mit zwei Zürcher Festivals und mehr.

Montag, 30. April 2018
Isaac Gracies grazile Songs oszillieren stets zwischen perfekter Ballade und Kitschpop – der junge Brite steht noch ganz am Anfang seiner Karriere und lässt schon jetzt mit enormer Bühnenpräsenz und einer wuchtigen Stimme ununterbrochen von sich sprechen. Heute Abend performt der Singer-Songwriter im Zürcher Papiersaal.

Dienstag, 1. Mai 2018
Ought, die Postpunk-Bande angeführt vom charismatischen Sänger Tim Darcy, zeigt sich auf ihrem neuen Album «Room Inside the World» etwas poppiger, weniger sträubend – ihre Single «Desire» geht tatsächlich als Popsong durch und tauscht die verzerrten Gitarren mit einem Hintergrundchor aus. Ob ihre Bühnenshow nun auch gemässigter daherkommt, zeigt sich diesen Dienstag im Winterthurer Albani.

Mittwoch, 2. Mai 2018
Jakuzi machen «Fantezi Müzik» – Synthwave mit grossflächigen Hommagen an die Ästhetik der 80er Jahre, ohne der Musik die türkische Herkunft der Band abzusprechen. Das Duo ist derzeit auf Europa-Tour und hat sich bereits zum Indie-Liebling erspielt. Am Mittwoch treten sie im Luzerner Parterre auf.

Donnerstag, 3. Mai 2018
«Stick your head into a paper bag / And see just what you find» ist die Litanei von «Paper Bag», eine von Circuit des Yeux‚ traumhaften Singles ihres aktuellsten Albums auf Drag City. Die tiefwarme Stimme der Musikerin hinter Circuit des Yeux, Haley Rohr, lockt uns an viel fantastischere imaginäre Orte als in eine Papiertüte – und diesen Donnerstag auch nach Düdingen ins Bad Bonn.

Freitag, 4. Mai 2018
Lauter feiert Geburtstag! Dieses Wochenende bespielt das Lauter Kollektiv bereits zum zehnten Mal die Gessnerallee mit einem Gratisfestival voller lokalen Überraschungen und internationalen Geheimtipps – so kann man sich gemütlich vom Mundartpop von Haubi Songs am Freitag, zum Dream-Jazz von Puma Blue am Samstag trinken und tanzen. Am Sonntag schliesst ein Surprise Act die dreitägige Fete ab.

Samstag, 5. Mai 2018
Das zweite Zürcher Musikfestival des Wochenendes verschreibt sich nun schon seit drei Jahren religiös dem Punkrock in all seinen Facetten und Komponenten, und bringt diesen auf die Bühnen und Gassen der Limmatstädter Ausgehkreise 4 und 5. Dieses Jahr schreibt das Obenuse Fest niemand geringeres als die legendären kanadischen Polit-Punks von Propagandhi ganz oben aufs Line-Up.

Mehr Konzerte gibt es in unserem Konzertkalender.

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Veröffentlicht am 24. April 2018 von Beni Geisseler in Neue Musik

Vor gut zwei Jahren veröffentlichte Favela mit «Gong» seinen ersten Hit. Ein einfühlsamer lethargischer Popsong mit minimalistischen Instrumentarium. 2017 folgte eine Kooperation mit Pablo Nouvelle, welche den Namen auch in der Schweiz aufblitzen liess. Mit «Call My Name» präsentiert er nun eine erste Single-Auskoppelung seines Debütalbums Community.

Der neue Track ist wiederum geradlinig, einfach und schwebt über durchgehende Beats. Der Künstler aus Leeds bestückt seine Songs mit einer ruhigen aber präzisen Stimme; klare Gitarren-Akkorde halten die Single zusammen – was resultiert ist ein liebevoller Electro-Pop-Song.

 

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Veröffentlicht am 23. April 2018 von Sabrina Stallone in Konzert

Tipps für eine Woche voller besserer Musik. Diese Woche mit Singsang und Tagträumen.

Dienstag, 24. April 2018
Mit fragmentierten Tempi und einer hohen Engelsstimme an vorderster Front erinnern Sama Dams manchmal an eine prä-orchestrale St. Vincent. Dann wiederum teilt sich Lisa Adams mit der samtigen Stimme Sam Adams‘ aus Portland die Gesangsslots, und gemeinsam können sie ganz schön monumental werden – lasst euch also nicht von Vergleichen leiten, wenn ihr am Dienstagabend Sama Dams in der Roten Fabrik zuhört.

Mittwoch, 25. April 2018
Auf «The House», Aaron Maine’s drittem Album als Porches, wird sein Synth-Pop noch eingängiger, seine Arrangements simpler und transparenter. Diese Demo-aber-Oho Perlen gibt es am Mittwoch in der Zukunft zu hören.

Donnerstag, 26. April 2018
Die schwedische Berlinerin, die berlinerischste Schwedin von allen, Molly Nilsson: in der Zürcher Zukunft scheint sie sich besonders wohl zu fühlen, so oft sie dorthin heimkehrt. Die Queen of Cool spielt ihre Wave- und Synth-Hymnen am Donnerstag im Keller an der Dienerstrasse.

Freitag, 27. April 2018
Schnell und geradlinig, so wie Rock aus Belgien oft daherkommt, spielen It It Anita ihre Songs. Das Quartett aus Liège tritt diesen Freitag ganz ohne Bullshit im Winterthurer Gaswerk auf.

Samstag, 28. April 2018
Grooms aus Brooklyn stehen zu Dream Pop wie Fluchtfantasien zu Tagträumen: Zwar im Raum des Fantastischen zu finden, aber mit ganz schön viel Tempo und Aufregung. Gemeinsam mit den Züri-Lieblingen von The Legendary Lightness spielen die New Yorker im Winterthurer Albani.

Sonntag, 29. April 2018
Klar, die Songs der spanischen Band Hinds hören sich oft an wie Singsang auf dem Schulhof, aber das tun die der Black Lips schliesslich auch und die machen verdammt viel Spass. Die Madrileñas treten mit ihrem neuen Album «I Don’t Run» im Zürcher Mascotte auf.

Mehr Konzerte gibt es in unserem Konzertkalender.

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