Veröffentlicht am 03.05.2018 von Simon Gwinner in Review

Vor vier Jahren erschien die Debüt-EP Idle Hours des britischen Produzenten Boothroyd. Aufgenommen mit einem Paar „cheap, shitty headphones“ und einem Augenzwinkern beschrieb er damals seine Musik als Mix zwischen Slowdive und Tinchy Stryder.

Auch sein Debütalbum spielt mit diesem Hauch Sarkasmus. Mit EDM-ähnlichen Gitarrenriffs, Mundharmonika und andere eigenartigen Instrumenten und Einflüssen aus der EDM-Welt, spaziert Boothroyd auf dem schmalen Grat der Ironie. Man könnte Pure Country aber auch als sehr ernstzunehmendes und die Gesellschaft widerspiegelndes Werk bezeichnen. Seine Klangkonstellationen spielen mit viel Melancholie, lenken von den Problemen der Gegenwart ab und vermitteln eine unklare, dennoch zauberhafte Utopie.

Anders als bei «Rinsed» fadet «Sunset Ibiza» kurz vor dem Drop aus, dem Mundharmonika-Soli in «Balearic Horse» wird kurzzeitig die Luft abgeschnitten und auch das absurde Crescendo in «Jeep» erlischt kurz vor der Ekstase. Boothroyd baut seine Kompositionen geschickt mit stilistischen und umfangreichen Elementen auf, entzieht ihnen dann aber den erlösenden Kick, so scheint sich Pure Country jederzeit den eigenen Grenzen bewusst zu sein und endet dadurch nicht in der Banalität.

Insgesamt ist Boothroyds Pure Country ein subtiles und spannendes Debütalbum, dass die Ästhetik von zeitgenössischer elektronischer Tanzmusik nicht nur kopiert, sondern damit spielt.

Boothroyds Pure Country erschien vor kurzem über das Label Fnord Communications und gibt’s auf Spotify zum Durchhören.

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Veröffentlicht am 3. Mai 2018 von Kilian Mutter in Mixtape, Playlists

Unser saisonales Frühlingsmixtape bietet dir dieses Jahr ganze 21 Songs, die dir die wärmer werdenden Tage und Nächte versüssen sollen. Mal folkig, mal rockig, mal poppig, oder gar mal elektronisch, hier kommt jeder auf seine Kosten. Das Mixtape ist als ZipFile downloadbar und auf Spotify anzuhören. Das wunderbare Artwork stammt dieses Mal von Cynthia Zwiker.

1. Hookworms Each Time We Pass
2. Young Fathers In My View
3. MorMor Heaven’s Only Wishful
4. Dungen & Woods Turn Around
5. Amen Dunes Blue Rose

6. DACHS Selecta Automat
7. Hibou Junipero Love
8. Cobee Trink Mit Mir
9. Thunder Jackson Colours
10. Hop Along How Simple

11. Altin Gün Halkalı Şeker
12. Kevin Krauter Rollerskate
13. Malena Zavala Could You Stay
14. Shannon & The Clams The Boy
15. Rolling Blackouts Coastal Fever Talking Straight

16. FONTAINES D.C. Boys In The Better Land
17. ALASKALASKA Meateater
18. Cella Sloth
19. Octavian Hands
20. Solomon Grey The Game
21. Henry Green Another Light

Download: Orange Peel Spring Mixtape 2018

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Veröffentlicht am 30. April 2018 von Sabrina Stallone in Konzert

Tipps für eine Woche voller besserer Musik. Diese Woche mit zwei Zürcher Festivals und mehr.

Montag, 30. April 2018
Isaac Gracies grazile Songs oszillieren stets zwischen perfekter Ballade und Kitschpop – der junge Brite steht noch ganz am Anfang seiner Karriere und lässt schon jetzt mit enormer Bühnenpräsenz und einer wuchtigen Stimme ununterbrochen von sich sprechen. Heute Abend performt der Singer-Songwriter im Zürcher Papiersaal.

Dienstag, 1. Mai 2018
Ought, die Postpunk-Bande angeführt vom charismatischen Sänger Tim Darcy, zeigt sich auf ihrem neuen Album «Room Inside the World» etwas poppiger, weniger sträubend – ihre Single «Desire» geht tatsächlich als Popsong durch und tauscht die verzerrten Gitarren mit einem Hintergrundchor aus. Ob ihre Bühnenshow nun auch gemässigter daherkommt, zeigt sich diesen Dienstag im Winterthurer Albani.

Mittwoch, 2. Mai 2018
Jakuzi machen «Fantezi Müzik» – Synthwave mit grossflächigen Hommagen an die Ästhetik der 80er Jahre, ohne der Musik die türkische Herkunft der Band abzusprechen. Das Duo ist derzeit auf Europa-Tour und hat sich bereits zum Indie-Liebling erspielt. Am Mittwoch treten sie im Luzerner Parterre auf.

Donnerstag, 3. Mai 2018
«Stick your head into a paper bag / And see just what you find» ist die Litanei von «Paper Bag», eine von Circuit des Yeux‚ traumhaften Singles ihres aktuellsten Albums auf Drag City. Die tiefwarme Stimme der Musikerin hinter Circuit des Yeux, Haley Rohr, lockt uns an viel fantastischere imaginäre Orte als in eine Papiertüte – und diesen Donnerstag auch nach Düdingen ins Bad Bonn.

Freitag, 4. Mai 2018
Lauter feiert Geburtstag! Dieses Wochenende bespielt das Lauter Kollektiv bereits zum zehnten Mal die Gessnerallee mit einem Gratisfestival voller lokalen Überraschungen und internationalen Geheimtipps – so kann man sich gemütlich vom Mundartpop von Haubi Songs am Freitag, zum Dream-Jazz von Puma Blue am Samstag trinken und tanzen. Am Sonntag schliesst ein Surprise Act die dreitägige Fete ab.

Samstag, 5. Mai 2018
Das zweite Zürcher Musikfestival des Wochenendes verschreibt sich nun schon seit drei Jahren religiös dem Punkrock in all seinen Facetten und Komponenten, und bringt diesen auf die Bühnen und Gassen der Limmatstädter Ausgehkreise 4 und 5. Dieses Jahr schreibt das Obenuse Fest niemand geringeres als die legendären kanadischen Polit-Punks von Propagandhi ganz oben aufs Line-Up.

Mehr Konzerte gibt es in unserem Konzertkalender.

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Veröffentlicht am 24. April 2018 von Beni Geisseler in Neue Musik

Vor gut zwei Jahren veröffentlichte Favela mit «Gong» seinen ersten Hit. Ein einfühlsamer lethargischer Popsong mit minimalistischen Instrumentarium. 2017 folgte eine Kooperation mit Pablo Nouvelle, welche den Namen auch in der Schweiz aufblitzen liess. Mit «Call My Name» präsentiert er nun eine erste Single-Auskoppelung seines Debütalbums Community.

Der neue Track ist wiederum geradlinig, einfach und schwebt über durchgehende Beats. Der Künstler aus Leeds bestückt seine Songs mit einer ruhigen aber präzisen Stimme; klare Gitarren-Akkorde halten die Single zusammen – was resultiert ist ein liebevoller Electro-Pop-Song.

 

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Veröffentlicht am 23. April 2018 von Sabrina Stallone in Konzert

Tipps für eine Woche voller besserer Musik. Diese Woche mit Singsang und Tagträumen.

Dienstag, 24. April 2018
Mit fragmentierten Tempi und einer hohen Engelsstimme an vorderster Front erinnern Sama Dams manchmal an eine prä-orchestrale St. Vincent. Dann wiederum teilt sich Lisa Adams mit der samtigen Stimme Sam Adams‘ aus Portland die Gesangsslots, und gemeinsam können sie ganz schön monumental werden – lasst euch also nicht von Vergleichen leiten, wenn ihr am Dienstagabend Sama Dams in der Roten Fabrik zuhört.

Mittwoch, 25. April 2018
Auf «The House», Aaron Maine’s drittem Album als Porches, wird sein Synth-Pop noch eingängiger, seine Arrangements simpler und transparenter. Diese Demo-aber-Oho Perlen gibt es am Mittwoch in der Zukunft zu hören.

Donnerstag, 26. April 2018
Die schwedische Berlinerin, die berlinerischste Schwedin von allen, Molly Nilsson: in der Zürcher Zukunft scheint sie sich besonders wohl zu fühlen, so oft sie dorthin heimkehrt. Die Queen of Cool spielt ihre Wave- und Synth-Hymnen am Donnerstag im Keller an der Dienerstrasse.

Freitag, 27. April 2018
Schnell und geradlinig, so wie Rock aus Belgien oft daherkommt, spielen It It Anita ihre Songs. Das Quartett aus Liège tritt diesen Freitag ganz ohne Bullshit im Winterthurer Gaswerk auf.

Samstag, 28. April 2018
Grooms aus Brooklyn stehen zu Dream Pop wie Fluchtfantasien zu Tagträumen: Zwar im Raum des Fantastischen zu finden, aber mit ganz schön viel Tempo und Aufregung. Gemeinsam mit den Züri-Lieblingen von The Legendary Lightness spielen die New Yorker im Winterthurer Albani.

Sonntag, 29. April 2018
Klar, die Songs der spanischen Band Hinds hören sich oft an wie Singsang auf dem Schulhof, aber das tun die der Black Lips schliesslich auch und die machen verdammt viel Spass. Die Madrileñas treten mit ihrem neuen Album «I Don’t Run» im Zürcher Mascotte auf.

Mehr Konzerte gibt es in unserem Konzertkalender.

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Veröffentlicht am 19. April 2018 von Simon Gwinner in Konzert, Orange Peel präsentiert

Das Schauspielhaus Zürich lädt zusammen mit dem Musik-Recherche-Netzwerk Norient sowie dem Rewire Festival in Den Haag zu einer neuen audio-visuellen Konzert- und Performanceserie ein. Sonic Fiction soll sich den aktuell spannendsten Acts der zeitgenössischen Popmusik widmen. Für die erste Ausgabe werden Ben Frost, sowie Jenny Hval auf der Zürcher Theaterbühne stehen. Wir Verlosung 2×2 Tickets für diesen experimentellen und spannenden Abend am 21. April und stellen dir hier die beiden Künstler kurz vor.

Der in Australien geborene und mittlerweile in Reykjavík lebende Musiker Ben Frost hat neben seiner eigenen Veröffentlichung bereits für Tanzperformances, Video-Games, Filme und TV Serien sowie eine eigene Operette Musik geschrieben und kollaborierte bereits mit anderen Avantgardemusikern wie Collin Stetson oder Tim Hecker. Rave, Minimal, Drone und Black Metal Einflüsse fusionieren zu kühlen, meist brutalen Klangkompositionen. Ben Frost kreiert emotionale Szenerien, meist dystopisch und laut, dennoch viszeral und zeitnah, die sich auch geografisch gut in die Entstehungsorte von Frosts Aufnahmeprozess einordnen lassen.

Jenny Hval veröffentlichte vorletztes Jahr ihr grossartiges Avantgarde Pop Album Blood Bitch. Die aus Norwegen stammende Musikerin experimentiert mit unterschiedlichen Klangschichten von Drone bis Pop und singt manchmal melodiös, manchmal ganz nüchtern über Kunst mit Menstruationsblut, Feminismus oder über den Tod. Abstrakte und komplexe romantische Konstrukte spielen in Hvals Musik eine grosse Rolle und werden mit viel Dramaturgie in ihrer Musik, wie auch auf der Bühne vorgetragen. Mit «Spells» veröffentlichte Jenny Hval zudem vor kurzem einen ersten Vorgeschmack auf ihre neue EP The Long Sleep, welche am 25. Mai über Sacred Bones Records erscheinen wird.

Wir verlosen 2×2 Tickets für die Erstausgabe der Konzert- und Performancereihe Sonic Fiction mit Ben Frost sowie Jenny Hval am 21. April im Schauspielhaus in Zürich. Schreibe bis diesen Freitag um 12:00 Uhr eine Mail mit dem Betreff Sonic Fiction an verlosung@orangepeel.ch. Viel Glück!

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Veröffentlicht am 18. April 2018 von Beni Geisseler in Konzert, Orange Peel präsentiert

Junior A veröffentlichte zuletzt mit «Violent» eine weitere Mini-Hymne der modernen Popmusik. Der mysteriöse junge Herr aus Litauen überzeugte bereits mit seinen zwei EPs, welche beide 2017 erschienen. Doch blieben diese grösstenteils in Zentraleuropa unbekannt. Nun kommt er für zwei erste Shows in die Schweiz unter anderem am 19. April ins Parterre Luzern. Es sind die ersten Auftritte ausserhalb seines Heimatlandes.

Seine weitestgehend selbstproduzierten Lo-Fi-Tracks erzeugen sphärische Atmosphären und umschlingen regelrecht den Hörer. Es ist eine Frage der Zeit bis die Welt auf den neuen Electro-Pop-Künstler aufmerksam wird.

Die Show im Parterre Luzern wird präsentiert von Orange Peel und beginnt um 20.30 Uhr. Weitere Infos findest du hier.

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Veröffentlicht am 17. April 2018 von Simon Gwinner in Neue Musik, Video

Der kanadische Singer/Songwriter MorMor entspringt der gleichen lebendigen Musikszene wie BADBADNOTGOOD oder Charlotte Day Wilson. Seine Debütsingle, welche vor zwei Monaten erschien, schlug in kürzester Zeit hohe Wellen. Dabei war «Heaven’s Only Wishful» eigentlich gar nichts grossartig neues. Manchmal genügt aber ein harmonischer Mix aus knackigen Gitarrenmelodien, durchgezogenen Rhythmen und einer beneidenswerten Stimme, um sich von anderen Songs abzuheben. Mit einer neuen gefühlsvollen Ballade und einem passenden Musikvideo dazu, meldet sich MorMor bereits wieder zurück und präsentiert einen weiteren, kleinen Pophit.

Wie bereits seine Debütsingle, klingt auch «Whatever Comes to Mind» nicht überladen. Ganz relaxt schlendern reduzierte Gitarren- und Synthmelodien neben den weichen, manchmal anreizenden Tönen von MorMors Stimme umher. Jedes Element findet seinen bewussten Platz und fliesst nahtlos in die Gesamtkomposition ein. Erst zum Refrain hebt sich MorMors Stimme dann ab und wird auf himmlischer Höhe von einem Chor seines Selbst empfangen.

MorMors «Whatever Comes to Mind» erschien heute via Don’t Guess.

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