Veröffentlicht am 28.01.2017 von Simon Gwinner und Kilian Mutter in Neue Musik

Was macht einen guten Popsong aus und wer entscheidet, was Pop ist und was nicht? Können Schweizer überhaupt gute Popmusik produzieren oder kopieren sie nur was bereits auf dem internationalen Markt gut funktioniert und ankommt? Sind es die Musiker selbst, die Popsongs spielen wollen, die Labels, die sie dazu verdonnern, die Radios, welche die Songs spielen oder kann auch Pop sein, was nicht Pop per se ist? Eine vertieftere Auseinandersetzung mit dieser Thematik würden den Rahmen dieses Posts sprengen.

Auch Jeans For Jesus beschäftigten sich in den letzten zwei Jahren mit Fragen wie: «Wie schreiben Frauen und Männer eigentlich gute Popsongs? Solche, die wirklich gut sind und gleichzeitig ganz vielen Menschen gefallen?» Und dabei könnte man meinen, dass sie diese Fragen mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum, welches 2015 erschien, bereits beantwortet hätten. Die gesamte Schweizer Medienlandschaft war sich jedenfalls einig:

«Diese Mischung aus zeitgenössischem Sounds, welche international schon länger für Begeisterung sorgen, kombiniert mit authentischen Berner Lyrics, hauchen dem Mundart-Genre eine junge, frische, hippe Brise ein, die lange auf sich warten liess.» – Orange Peel

Von Feuilleton und Fans gleichzeitig geliebt, stellte sich für J4J umso mehr die Frage wohin es nun gehen solle. Ist es Zeit, die Musiklandschaft mit einem «sell out»-Album mit Chartpotential zu beglücken oder möchte man doch ambitioniert am Weg zu einem ganz eigenen Ziel arbeiten? Und was, wenn das Ziel eben doch gute Popmusik ist?

Nun stehen sie da: Gelbe Taxis im Sand, Städte im Sonnenuntergang, die Antwort bieten sollen auf viele dieser offenen Fragen. Und gleichzeitig fragen wir uns jetzt: «Hä, also meint ihr das jetzt wirklich ernst?»

Feuchtwarme Beats, zerhackte und gepitchte Vocalsamples und ein Text, der zwar gewohnt und bewusst ein wenig kryptisch erscheint, aber schon bald zum Mitsingen anzuregen weiss. Genau so, wie der tropische Electro-Pop sich innerhalb von zwei Jahren vom Szeneobjekt zum Mainstreamprodukt gemausert hat, liebäugeln auch Jeans For Jesus deutlicher als noch auf ihrem Debüt mit dem Sound, der derzeit die Welt regiert. Popsternchen wie Justin Bieber oder Überproduzenten wie Diplo werden hier – mit einem feinen Augenzwinkern notabene – auf musikalische Weise zitiert und gefeiert.


«Dr Letscht Popsong (Gäubi Taxis im Sand)» erzählt laut dem Pressetext die Geschichte eines ehrgeizigen Songwriters, der eine Tochter grosszieht, um ihr erst mit zwölf zum ersten Mal den Strand zu zeigen. Es ist die erste Single ab dem zweiten Jeans For Jesus Album P R O (31. März 2017, Universal Music) und vielleicht auch wirklich der letzte wahre Popsong der vier Berner. Wir werden es erfahren, jetzt heisst es aber erstmal Hände in die Luft, denn wer weiss schon was morgen kommt.

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