Veröffentlicht am 04.01.2018 von Simon Gwinner in best of

Zum krönenden Abschluss unserer Jahreszusammenfassung kommen wir noch auf die Alben und EPs des Jahres zurück. Ein Blick auf internationale Werke, die teilweise zu wenig Aufmerksamkeit erhalten haben:

(Sandy) Alex G: Rocket


(Sandy) Alex G neuestes Album Rocket ist ein undurchschaubares und von Authentizität strotzdendes Werk. Im Vergleich zum Vorgänger Beach Music klingt Rocket zwar eingängiger, dennoch wirkt auch hier wieder eine Bandbreite an unterschiedlichen Songmelodien und Strukturen, welche ausschlaggebend für den Stil von des 23-jährigen Alex Giannascoli aus Philadelphia sind. Experimenteller Indie-Rock, der emotional und instrumental tief einschneidet.

(Sandy) Alex G’s Rocket erschien über Domino Records und gibt’s via Bandcamp als Download.

Milo: who told you to think??!!?!?!?!


Milo wollte nie wirklich gross sein, rechnete er doch immer wieder gerne mit den Rapgrössen von Übersee ab, die sich inzwischen als Werbefiguren in der Gesellschaft etabliert hatten. Auch auf seinem dritten Album Who told you to think??!!?!?!?! lebt er mit seinen hypnotischen Songs seinen ganz eigenen Stil des Underground-Hip-Hop aus. Mit diversen Elementen aus Jazz und Soul hält er seine Musik durchwegs spannend und wirkt dabei nie überheblich. Von Kopfskizzen über fixfertige Bars ist auf seinem neuen Werk eine breite musikalische Palette. Dabei scheint der Künstler zugänglicher denn je.

Milos who told you to think??!!?!?!?! erschien über das Label Ruby Yacht und gibt’s via Bandcamp als Download.

Mourning [A] BLKStar: BLK Muzak


Das Kollektiv rund um den Produzenten RA Washington aus Cleveland experimentiert mit 70’s Soul, rauen Hip-Hop Beats und einer DIY-Punk Attitüde. Ihr neustes Album BLK Muzak erklingt wie ein Skizzenheft, welches von verschiedenen Akteuren des Afrofuturismus gekennzeichnet ist. Verstaubte Samples aus der Soul und spirituellen Jazzwelt treffen auf laute zerknitterte Synth- und Beatklänge, während lyrisch die Diaspora einer afroamerikanischen Kultur prophezeit wird.

Mourning [A] BLKStars BLK Muzak erschien über das Label Glue Moon und gibt’s hier als Vinyl.

Sudan Archives: Sudan Archives (EP)


Die Amerikanerin Sudan Archives ergründet auf ihrer EP ihre eigenen Wurzeln. Oft nur mit virtuosem Violine-Spiel, wie es im Sudan typisch ist, schlängelt sie um knackige Afro-Beats. Mit ihrer Performance am Le Guess Who? 2017 in Utrecht debütierte sie in Europa und liess so einige Musikliebhaber auf sie aufmerksam werden. Durch die Vermischung der Kulturen in ihrer Musik fährt sie eine ganz eigene Linie, die verführt und zugleich einnimmt.

Sudan Archives selbstbetitelte EP erschien über das Label Stones Throw und gibt’s hier als Download.

Bastien Keb: 22.02.85


Bisher verdiente Bastien Keb seine Brötchen mit Songwriting für Film und TV. Sein neues Album scheint eine Fortsetzung seines Debüts von 2015. Das Werk ist aber durchaus ausgereifter und eingängiger produziert und der Sound erhält eine eigene Note. Der Multiinstrumentalist setzt seine Songs zusammen wie ein Puzzle und generiert mit seiner sanften Stimme unwiderstehliche Momente. Jai Paul und Co. lassen grüssen.

Bastien Kebs 22.02.85 erschien über das Label First Word Records und gibt’s via Bandcamp als Download.

King Krule: The Ooz


Mit The Ooz kreierte Archy Marchall ein umfassendes Werk, dass sein vielseitiges Können in unterschiedlicher Weise wiedergibt. Musikalisch gereift, vermischt King Krule Einflüsse von Rockabilly mit Jazz, Dub, Trip Hop und New Wave zu seinem eigenen Genre. Die von seinem krulsches Universum handelnden Lyrics übermittelt Marchall wiederum in seiner bellenden Gesangssprache. Und auch wenn er selber immmer wieder betont, dass King Krule nicht direkt seine Persönlichkeit widerspiegelt, bekommt man mit The Ooz einen tiefen Einblick in die stets leicht befremdliche Welt des immer noch sehr jungen Musikers aus London.

King Krules The Ooz erschien über das Label True Panther Sounds und gibt’s hier als Download.

Lorde: Melodrama


Wenn jemand die Popkrone dieses Jahr verdient hat, dann Lorde. Ihr neustes Werk Melodrama strotzt vor Emotionen, erzählt vom Jungsein, von Einsamkeit und Herzschmerz. Ein Konzeptalbum, dass sich an einer Homeparty abspielt und euphorisch zwischen Hedonismus auf der Tanzfläche und von Kummer gezeichneten Momenten im Badezimmer wechselt. Majestätischer Pop, der pocht, betäubt und jugendlicher kaum klingen könnte.

Lordes Melodrama erschien über das Label Lava und gibt’s hier als Download.

Febueder: From an Album (EP)


2017 präsentierten Febueder (Fe-byou-der) ihre bereits dritte EP. So schaffen die jungen Musiker aus Ascot uns abermals zu überzeugen, für ein ganzes Album hat es bisher aber doch noch nicht gereicht. Mit eigenwilig einfacher Besetzung ziehen sie die Hörer sofort in den Bann. Die Songs bleiben schnell haften und hegen mit der imposanten Stimme des Sängers grosses Potenzial. Im Herbst waren sie als Support von Xiu Xiu ein erstes Mal in der Schweiz. Bleibt zu hoffen, dass es bald mehr gibt.

Febueder’s From An Album gibt es hier zum streamen.

Msafiri Zawose: Uhamiaji


Msafiri Zawose lebt die Musik seit kleinauf. Von seinem Vater, der einer der wichtigsten Musiker Tanzanias nach der Unabhängigkeit des Landes war, lernte er die Liebe zur musischen Kunst. Mit seinem zweiten Album Uhamiaji tritt er nun in dessen Fussstapfen und etabliert sich durch seine Annäherung an die westliche Elektro-Musik. Er gehört zu den spannendsten Entdeckungen des letzten Jahres.

Msafiri Zawoses Uhamiaji erschien über das Soundway Records und gibt’s via Bandcamp als Download.

Steve Lacy: Steve Lacy’s Demo (EP)


Zwar veröffentlichte Steve Lacy bis jetzt nur eine (Demo) EP, dennoch sollte man den 18-jährigen Kalifornier für 2018 im Auge behalten. Dabei ist Steve Lacy kein Unbekannter. Als Teil von The Internet war er bereits für einen Grammy nominiert und war unter anderem auch an dem neuen Kendrick Lamar Album DAMN, sowie Tyler The Creators Flower Boy beteiligt. Auf seiner Debüt-EP sammlen sich insgesamt sechs Songskizzen. Reduziert und bewusst unterproduziert (die meisten Songs enstanden auf seinem iPhone), dafür umso eingänglicher in der Melodie und im Gesang, spielt Steve Lacy mit sonnengetränktem Funk und Soul und erinnert damit ein bisschen an das quirlige Debüt In Search of… von N.E.R.D..

Steve Lacys Demo EP erschien über das Label Three Quarter und gibt’s via Apple Music als Download.

Sir Was: Digging A Tunnel


Erfrischend, aber dennoch hinkend sorgen die Songs von sir Was für Gänsehaut. Der Drummer von Junip, der Band um José Gonzalez, veröffentlichte im Frühling sein Solo-Debüt Digging A Tunnel. Seine Klänge erzeugen paradoxe Atmosphären und scheinen sich aufs zweite Hinhören hin selbständig zu Hits zu entwickeln. Der studierte Saxophonist Joel Wästberg entzückt mit gleitenden Harmonien und einem breiten Band an Stimmfarben.

Sir Wass Digging A Tunnel erschien über das Label City Slang und gibt’s via Bandcamp als Download.

Ein Überblick über das vergangene Jahr gibt’s auch mit unserer 100 Songs des Jahres 2017 Liste sowie unserer Swiss Sounds 2017 Liste.

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