Dagobert: „Ich fand Schweizerdeutsch schon als Kind eine anstrengende und komische Sprache.“

Anlässlich des M4Music trafen wir das „Schlagerphänomen“ Dagobert zum Interview.

Dagobert – seines Zeichens einer der polarisierendsten Figuren der Schweizer Musiklandschaft. Es gibt viele Bezeichnungen für seine Musik. So wurde sie bereits als Hipster-Schlager, Schnulzen-Pop oder in seinen eigenen Worten als Schlager mit Anspruch benannt. So auch auf seinem dritten Studio Album Welt ohne Zeit, welches am 1. März in diesem Jahr erschien. Auch auf diesem singt der selbsternannte ‚Schnulzensänger aus den Bergen‘ Schlager. Doch bei diesem Album handelt es sich ausschliesslich um Liebeslieder. Auf den zehn Songs singt Dagobert über zehn verschiedene Beziehungen. Sie alle habe er so erlebt. Das Klangbild bei seinem Drittling ist jedoch anders als noch bei seinem Vorgänger. Dies rührt daher, dass er nun mit Konrad Betscher einen neuen Produzenten hat, welchen man von seiner Zusammenarbeit mit Casper oder Kraftklub kennt. Wir trafen Dagobert am M4Music auf ein Interview.

Severin: Du hast erst kürzlich ein neues Album herausgegeben. Auf diesem fällt eine deutliche Änderung deines Stiles auf. Woher kommt diese?

Dagobert: Ja es haben sich ein paar Sachen verändert bei mir. Erstmals hat meine Managerin mich verlassen. Ich musste dadurch ganz viel anders organisieren, was sehr nervig war. Ich fand dann ein neues Management und so auch eine neue Plattenfirma. Durch diese ganze Aufbruchstimmung dachte ich mir, dass die neuen Songs auch etwas anders klingen sollten. So wechselte ich den Produzenten, was wohl die grösste Änderung war. Ich hab ihn quasi gezwungenm mein Produzent zu werden, weil ich einfach gesehen hab, dass er ein genialer Musiker ist. Er hat halt noch nie produziert. So dauerte es mit vier Jahren auch etwas länger als üblich, bis wir was hatten, dass uns beide zufrieden stellt.

Gib es deiner Meinung noch andere Gründe dazu?

Es klingt womöglich auch anders, da ich beim Schreibprozess dieses Albums wieder unter Menschen war. Die vorherigen Songs sind alle in einer schwierigen Phase entstanden, wo ich vier Jahre lang alleine in den Bündner Bergen war. Mir war auch sehr wichtig, dass die Songs auf diesem Album alle eine Einheit sind, fast wie Geschwister. Und nicht ein zusammengewürfelter Haufen. Und hauptsächlich ist mir sowieso wichtig, dass ich sphärische, lyrische und ernste Musik mache.

Für deine Musik gibt es mittlerweile unzählige kreative Bezeichnungen. Wie bezeichnest du sie selbst?

Wenn ich diese Frage vor sechs Jahren bloss anständig beantwortet hätte, hätte ich heute viel weniger Probleme. Ich würde sagen, dass ich Liebeshymnen mache und der Hohepriester der gesunden Liebe bin. Dabei handelt es sich zwar nicht um ein Musikgenre, doch das passt! Alles was andere über mich geschrieben wird, führt einfach zu Verwirrung und lässt Leute mich nicht ernst nehmen, bevor sie überhaupt etwas von mir gehört haben.

Du bist seit einiger Zeit Wahlberliner. Wo spielst du lieber Konzert, in Deutschland oder der Schweiz?

Grundsätzlich spiel ich sowieso sehr gerne live. Doch heute spiel ich hier im Moods und erwarte alles so Jazzpolizisten als Zuhörer. Doch gestern in Basel war die Stimmung bombastisch. Mir scheint es, als ob das Schweizer Publikum das Gefühl hat, ich sei ein grosser Star. So spiel ich Konzerte hier in der Schweiz sehr gerne, ausser das ich die Ansagen auf der Bühne auf Schweizerdeutsch machen muss. Es ist etwas komisch, von Deutsch zu Schweizerdeutsch zu wechseln. Ich fand Schweizerdeutsch schon als Kind eine anstrengende und komische Sprache. Aber was ist eigentlich dein Lieblingsfilm?

(Severin, überrascht): La grande Bellezza.

Wie heisst der Regisseur?

Paolo Sorrentino.

Der wurde mir auch schon empfohlen. Muss ich wohl tatsächlich mal anschauen.

Was ist dann deiner?

Ich hab keinen. Ich hab aber Lieblingsschauspieler. Ist der Hauptschauspieler gut, schau ich jeden Film von ihm.

Mit deinem jetzigen Produzenten hast du bereits vor einigen Jahren für den Song «Lang lebe der Tod» kollaboriert. Ist dort auch das Fundament für Welt ohne Zeit gelegt worden?

Nein, das wurde bereits vor diesem Casper Song gelegt. Mein Produzent hatte einfach eine zweite Version meines Songs gemacht und diese war dann auf einmal der Titeltrack des Albums und ich konnte es nicht mehr verhindern

In diesem Fall wolltest du dies nicht?

Zu diesem Statement lass ich mich nun nicht herausfordern. Das Fundament für Welt ohne Zeit wurde bereits einige Zeit zuvor durch Verbindungen des Freundeskreises gelegt.

Einem grossen Teil des Schweizer Publikums wurdest du von einigen Jahren ein Begriff, durch deinen Besuch bei Kurt Aeschbacher.

Ja, ich freute mich sehr über diese Einladung, weil diese leider nicht so oft vorkommen. Weil die meisten denken, ich sei ein lethargischer Typ, der nichts sagt, was ich auch verstehe. Als dann die Einladung von Kurt Aeschbacher kam, setzte ich mir das Ziel, ihn an die Wand zu sprechen. Ich fand das ganze sehr witzig und er war sehr sympathisch. 

Das Gespräch mit Dagobert war sehr angenehm. Er wirkte sehr authentisch und nicht wie eine ausgeklügelte Kunstfigur. Ob einem nun sein neues Album gefällt muss man durch das Anhören desselben selber entscheiden, doch es besteht auf jeden Fall aus ausgeklügelten und abwechslungsreichen Songs.

Welt ohne Zeit erschien am 1. März bei Staatsakt.