Mehr Posts über Crimer

Veröffentlicht am 09.03.2018 von Simon Gwinner in Review, Swiss Sounds

Kaum ein Schweizer Act hat letztes Jahr so polarisiert wie Crimer. Seine exzentrischen Tanzschritte animieren bei meist ausverkauften Konzerten zum Nachmachen, sein Schwiegersohn-Look beglückt die LeserInnen der Schweizer Illustrierte und seine Hit-Singles sorgen für ein 80’s Revival im Radio. Crimer hat den Nerv der Zeit getroffen und es scheint, als traure die Schweiz einer vergangenen Epoche nach. Nach einer Handvoll grossartiger Singles folgte nun ein eher vergängliches Debütalbum.

Mit voller Elan stürtzt sich Alexander Frei, wie Crimer mit bürgerlichem Namen heisst, in das 13 Song starke Album, welches neben den bereits bekannten Singles auch neues Material bereithält. Knallige Synthies und Gitarrenmelodien schallen über dumpfe 80’s Beats, währen Crimers sonore Stimme kaum Luft zum Atmen lässt. Auf Songs wie «Sorrow» wäre Depeche Mode wohl zutiefst eifersüchtig gewesen. Andere Songs wie «The Fortress» dagegen spielen mit viel Romantik und zeigen Crimers wahres Talent für eingängige Refrains. Auch in «Cards» spielt Crimer mit viel Charme und zuckersüßen Songzeilen. Wie auf der Bühne ist Crimer auch auf dem Album omnipräsent und wirkt von Anfang bis Ende authentisch. Über die ganze Dauer des Debütalbums sättigt aber vor allem seine Stimme und die doch sehr monoton gehaltene Strukturen der Songs. Für kurz mag sich das zwar ganz gut anfühlen, auf die Dauer fehlt es Leave Me Baby aber an Abwechslung.

Wäre Crimer bereits in den 80ern dem Kindesalter entwachsen, so hätten Majorlabels ihn wohl reihenweise bezirzt. Auch in der Melancholie der heutigen Zeit funktioniert dieses Wiederaufleben der 80er ohne Mühe. Crimer ist talentiert, strotzt vor Authentizität und weiss, wie er seine Fangemeinde zu fesseln hat. Nur: Wäre dafür ein auf die Dauer eher mittelmässiges Album nötig gewesen oder bestände der Hype auch mit regelmässigen Singleveröffentlichungen weiter?

Crimers Leave Me Baby erschien am 28. Februar über Muve Recordings

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Veröffentlicht am 27. Dezember 2017 von Beni Geisseler & Simon Gwinner in best of

Das musikalische Jahr 2017 in der Schweiz war gespickt von unzähligen Überraschungen, Höhenflügen und grossartigen Debütanten. Eine kleine Übersicht, was vom Jahr übrig bleibt – und was uns 2018 glücklich machen könnte, inklusive einer Extended Spotify Playlist.

Ella Soto

Ella Soto gilt als eine der aufstrebendsten und vielleicht auch unterschätztesten Talente, welche dieses Jahr aus der Schweizer Musikszene zum Vorschein kamen. Durch die Kombination von fortschrittlichem Hip Hop und Elektronica Beats mit Pop Harmonien und progressivem Soul, bringt die aus Lausanne stammende R&B Künstlerin die Klangtexturen der 90er zu erneutem Glanz.

Ella Sotos Debütalbum Sisterhood erschien dieses Jahr über das Label Creaked Records.

One Sentence. Supervisor

Zwar erschien One Sentence. Supervisor’s Album Temporär Musik 1-13 noch im vergangenen Jahr, doch an der Badener Band kam man 2017 schlicht nicht vorbei. Nach diversen Auftritten an namhaften Festivals in Europa tourten sie mit Archive quer durch den Kontinenten. Zuletzt spielten sie eine Session für KEXP ein und veröffentlichten zum Ende des Jahres einen Song mit Bahur Ghazi.

Schnellertollermeier

Bereits mit dem letzten Album X sorgten Schnellertollermeier international für Furore. 2017 haben Manuel Troller, Andi Schnellmann und David Meier das Nachfolgewerk Rights via Cuneiform Records veröffentlicht. Und dieses steht dem Erstgenannten in nichts nach. Ihre kompromisslose Musik wirkt brachial auf die Hörer ein und lebt von faszinierenden Improvisationen und Repetitionen. An der diesjährigen Bad Bonn Kilbi hielten sie Auszüge ihres neuen Album fest.

Crimer

Man mag ihn oder eben nicht, jedoch gilt der ehemalige Mittelscheitelträger (RIP) zu einem der prominentesten Aufsteiger des letzten Jahres. Man sollte Crimer aber nicht nur auf den Schwiegersohn-Look und die exzentrischen Tanzschritte reduzieren, denn er hat mit seiner Debüt EP definitiv ein Händchen für ansteckenden Wave-Pop bewiesen. Dieser bringt nicht nur die Schweizer Illustrierte-lesende Tante, sondern auch yours truly ins Schwitzen.

Crimers Debüt-EP Preach erschien über Muve Recordings.

Alois

Alois Debütalbum Mints darf man getrost zu einem der stärksten in diesem Jahr zählen. Verspielt arbeiten sie mit träumerischen Pop und diversen anderen Genres. Es erstaunt nicht, dass das Projekt aus einer instrumentalen EP heraus entstanden ist. Die Stimme von Martin Schenker lenkt den Sound aber deutlich in neue Gewässer und beweist mit seinen Mitmusikern, dass eingängiger Pop nicht per se einfach sein muss.

Alois Debütalbum Mints erschien dieses Jahr über das Label Red Brick Chapel.

Danitsa

Zwar ist Danitsa erst zarte 21 Jahre alt, mit dem im Oktober erschienenen Debütalbum Ego stellte sie jedoch bereits ihr grosses Talent unter Beweis. Die in Genf und Paris beheimatete Künstlerin vermischt urbane Einflüsse von Soul, Dancehall und Trap Musik zu einer ansteckenden und aneckenden Mixtur. Vor allem die Singles «Hoover», sowie «Ego» stechen heraus.

Danitsas Debüt Ego erschien über das Genfer Label Evidence Music.

Jeans for Jesus

Die Berner sind nicht einfach nur Estavayeah, sondern eine ausgereifte Schweizer Pop-Band für die Zukunft. Dies zeigten sie auf ihrem neuen Album Pro welches im Frühling erschien. Jeans For Jesus Sound scheint teilweise eine Überinszenierung von globalen Musikgrössen, doch konnte man sich davor wohl nie vorstellen, dass Mundart-Pop so international klingen könnte.

Jeans For Jesus Pro erschien über Universal Music.

Magic & Naked

Die vier Musiker aus Genf verblüfften dieses Jahr mit ihrem Debütalbum Human Expressions. Sie erzeugen Klänge aus den 70er Jahren, wobei sie mit ihrem zarten Alter dem Sound eine zeitgemässe Note aufdrücken. «Bring Me The Moon» war die erste Single-Auskoppelung von Magic & Naked neuem Album Human Expression und überzeugte mit einer famosen Riff-Leichtigkeit, die man sonst nur von Übersee kennt.

Magic and Naked neues Album Human Expression erschien über das Label Echo Orange.

ALL XS

Dass wir schon immer grosse Fans von ‚Oh, Sister‘-Bands waren, ist kein Geheimnis. Mit All XS hat das Berner Label ein neues Baby bekommen. Allerdings kein gänzlich unbeschriebenes, wirkten doch Teile der Band bereits bei Labrador City mit. Das neue Projekt scheint ein Flashback zurück ins England der frühen 90er Jahre. Dennoch trifft ihr Album Soma Fortuna United den Nerv der Zeit. Strikte Beats mit discoiden Synths und Bass irren umher und münden in tanzbaren Pop-Hymnen.

ALL XS Debütalbum Soma Fortuna United erschien über das Oh, Sister Label.

B77

Das Fribourger Duo B77 gibt noch kaum was von sich preis – wie man das halt so macht im Jahre 2017. Dennoch weist der sphärische Synth-Pop, den die Band schmiedet, auf grosses Potential hin. Aufs wesentliche reduziert, verbinden B77 atmosphärischen Electro-Pop à la M83 mit elektronischem French House und unkomplizierten Lyrics, die man nicht schnell aus dem Kopf kriegt.

B77s Debüt-EP L L 8 gibt’s auf Bandcamp mit Stream und Download.

Zeal & Ardor

Der Basler Manuel Gagneux wusste nicht, wohin ihn sein neues Projekt führen wird. Mit der Idee Black Metal und Gospel zu vereinen, landete er 2017 auf den ganz grossen Bühnen. Als Vorband von Metal-Grössen tourte er mit Zeal & Ardor rund um den Globus und wurde im Nu zu einem der grössten Exportschlager der Schweiz.

Zeal & Ardors Devil is Fine erschien dieses Jahr offiziell über das Label MVKA.

S S S S

Was Samuel Savenberg unter seinem Moniker S S S S produziert kann man als düstere Klubmusik bezeichnen. Dabei geht es dem Luzerner Musiker nicht unbedingt darum, mit seiner Musik Gefühle zu erwecken oder nur rein technoide Club-Tracks zu schreiben, sondern viel mehr darum Grenzen auszuloten, Klangtexturen aufeinander prallen zu lassen und laut zu sein. Mit There Is No Us, sowie Guilt präsentierte der Produzent dieses Jahr zwei anspruchsvolle und experimentell hochstehende Veröffentlichungen.

S S S S There Is No Us erschien über das Berliner Label aufnahme + wiedergabe und Guilt über das Schweizer Label Edipo Re.

HUGOwho

2014 hat HUGOwho seine Debüt-EP I Am Not Hugo veröffentlicht, und damit so einige Musikhörer entzückt. Der Zürcher lebt inzwischen in London und feilt an seiner Musikkarriere. Im Sommer kam er mit einer neuen EP zurück. Mit diversen Electro-Elementen treibt er seine Songs nach vorne und hört sich dabei an wie ein junger Chet Faker. Kaum zu glauben, dass er nur vor wenigen Jahren noch Kandidat bei The Voice of Switzerland war.

HUGOwhos neue EP Another erschien via Irascible.

S.O.S

Könnten wir einen Preis für die Beste Live Performance verleihen, wären Nativ und Dawill unumgänglich an der Spitze – zumindest im Hip Hop. S.O.S lösten mit ihren beiden Alben 2017 einen regelrechten Hype aus. Und dies völlig zurecht. Eine breite Palette an kräftigen Songs veröffentlichten sie und waren und sind sich nicht zu schade auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Und die Bewegung geht weiter.

S.O.S veröffentlichte gleich zwei Alben (Akim und Imani) dieses Jahr.

Jon Hood

Unter dem Moniker Jon Hood spannte Joan Seiler mit zwei Labelkollegen von Red Brick Chapel zusammen. Was daraus resultierte war ein glänzendes Debütalbum. Mit filigraner, aber reifer Stimme führt sie die Band an und durchbricht gekonnt die üblichen Genregrenzen.

John Hoods selbstbetiteltes Debütalbum erschien dieses Jahr über Red Brick Chapel.

Dans La Tente

Ja, es stimmt, die Herren aus Luzern machen sich rar. Ein neues Album kommt frühestens gegen Ende 2018 – wohl eher 2019, wenn überhaupt. Aber Anfang Jahr haben sie eine EP veröffentlicht, die fast in Vergessenheit geriet. Sie zeigt, wie verworren das System Dans La Tente arbeitet. Alleine der Song «A Waste» sollte die Mini-Sammlung nicht in Vergessenheit geraten lassen. Selten hat sich Schweizer Melancholie wärmer angehört. Die Musik der Band scheint zeitlos.

Dans La Tentes EP 2016 erschien Anfang Jahr via Oh Sister Records.

ESTELLE ZAMME

Nochmal ein Künstler, über welchen wir eigentlich gar noch nichts wissen. Estelle Zamme ist ein Projekt aus Neuchâtel und veröffentlichte mit der Debütsingle «Fiston» einen ersten Eindruck von tanzbarem (Ed Banger ähnlichem) Elektropop, inklusive Musikvideo mit kitschigem Bergpanorama.

Cella

Cella ist Teil einer neuen Welle von Producern, die sich selber als Spotify-Kinder bezeichnen und lieber mit Maus und Tastatur arbeiten, als mit richtigen Instrumenten. Trotzdem besitzt der junge Zürcher Haudegen ein Gespür für eingängige Melodien und fortschrittliche Beats. Seine in diesem Jahr erschienen Debüt-EP Prolouge verbindet disharmonische Jazzakkorde mit wilden Trapbeats und unzähligen elektronischen Texturen. Der Mix klingt dabei so organisch wie auch verzerrt und tanzt hochseilartig zwischen der realen und digitalen Welt.

Cellas Debüt EP Prologue erschien dieses Jahr über das Zürcher Label Quartz Records.

Eine umfassende Playlist mit besserer Schweizer Musik des Jahres 2017 gibts auf Spotify zum Durchhören und umso mehr sind wir gespannt, was uns im 2018 aus der Schweizer Musikszene erwarten wird.

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Veröffentlicht am 29. Mai 2017 von Kilian Mutter in Playlists

Einmal mehr bietet dir unsere monatliche Playlist eine Auswahl von den Songs, die uns im Moment begleiten, begeistern und prägen. Die gesamte Playlist gibt es weiter unten gratis runterzuladen, sowie auf Spotify anzuhören. Shout-out an Cameron Taylor für das Cover!

1. Aldous Harding Horizon
2. Cataldo America, Goodnight!
3. Ghostpoet Immigrant Boogie
4. Crimer Badface
5. Nick Hakim Roller Skates

6. Childhood Californian Light
7. Slowdive Star Roving
8. Sevdaliza Marilyn Monroe
9. BOYBOY 
Afraid
10. Buddy Guillotine

11. First Hate A Prayer For The Unemployed
12. Mount Kimbie We Go Home Together (feat. James Blake)
13. Big Thief Shark Smile
14. Circadian Rhythms The Wait
15. Perera Elsewhere Happened

16. She-Devils Darling
17. Nick Murphy Weak Education
18. The Sun Parade Braindrain
19. Little Cub Hypnotise
20. Vök Show Me

21. B Boys Walking
22. Juana Molina Cosoco
23. Waxahatchee Silver
24. Jabu Fool If
25. Cende What I Want

26. Cymbals Decay
27. Splashh Waiting A Lifetime
28. Beacon Marion
29. Laurel Halo Jelly
30. Suno Deko Swan Song

Download: Orange Peel Playlist 05|17

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Veröffentlicht am 17. Februar 2017 von Simon Gwinner in Neue Musik, Video

Weisse Rollkragenpullover, Tanzakkrobatik, bei welcher man vor Neid erstarrt und ein Name, der düsterer kaum sein könnte: Das Ostschweizer-Zürcher-Einmanngefährt Crimer, ehemals Batman, macht ansteckende Musik für tanzwillige 80er Kinder. Mit viel Charme und einer ungeheuer sonoren Stimme lebt Crimer den Wavepop von Depeche Mode oder The Cure.

Imposant auch seine Debütsingle «Brotherlove»: Schillernde Synthesizerwellen, kühle Drumschläge und eine romantische Ode an die Liebe zwischen Geschwistern. Die Debüt-EP PREACH folgt im Juni.

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Veröffentlicht am 22. Januar 2017 von Eva Hediger in Konzert

Es gibt in der Schweiz zwar zig Festivals, doch nur wenige dauern mehr als drei Tage. Anders das One Of A Million in Baden: Während das Programm 2011 noch in zwei Abende passte, verteilen die Organisatoren die Acts mittlerweile auf neun Tagen – und auf über fünfzehn Bühnen.

Orange Peel hat sich vor allem an den zweiten Samstag (11. Februar) verguckt und präsentiert deshalb alle Konzerte an diesem Abend. Dieser startet im Joy mit Crimer. Der Ostschweizer Solo-Act war früher als Batman unterwegs. Danach geht es in der Stanzerei mit dem polnischen Folk-Duo Coals weiter. Die dritte Band des Abends sind die Deutsch-Pop-Helden Locas in Love. Danach folgen Mt. Wolf, Demob Happy und einem Fenster DJ-Set weiter. Ausserdem gibt es am Nachmittag ein Spezialkonzert von Annakin sowie mit Lou Ees und T.S. Eliot Appreciation Society zwei Stadtkonzerte.

Du willst diesen Musik-Marathon mitmachen, aber hast kein Geld für Tickets? Keine Sorge, wir verlosen 2 x 2 Pässe für den Samstagabend. Wer am Wettbewerb teilnehmen möchte, muss eine Mail mit Betreff «One Of A Million» an verlosung@orangepeel.ch schicken. Einsendeschluss ist Mittwoch, 25. Januar. Viel Glück!

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